Instabile Kopfgelenke – Wenn der Nacken zu viel Spiel hat
Ein unterschätztes Problem
Instabilitäten der oberen Kopfgelenke (Atlas und Axis) gehören zu den häufig übersehenen Ursachen für vielfältige Beschwerden im Kopf-, Nacken- und vegetativen System.
Oft werden sie nicht erkannt, weil die Symptome diffus sind und nicht direkt mit dem Nacken in Verbindung gebracht werden. Dabei sind sie für viele Betroffene ein entscheidender Baustein ihrer Beschwerden.
Der „Symptom-Regenbogen“
Wie im Video erklärt, kann eine Instabilität der oberen Kopfgelenke zu Symptomen aus vielen unterschiedlichen Systemen führen:
- Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich, häufig beschrieben als Druck oder Gefühl eines „Helms“
- Schwindel und Gleichgewichtsprobleme
- Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- vegetative Symptome wie Herzklopfen oder Kreislaufprobleme
- funktionelle Magen-Darm-Beschwerden wie Reizdarm oder Krämpfe
- Ohrbeschwerden, wiederkehrende Infekte, Tinnitus
- CMD-Beschwerden und Kiefergelenksschmerzen
- Müdigkeit, Erschöpfung und Schlafprobleme
Mögliche Ursachen
Wie im Video beschrieben, können Instabilitäten entstehen durch:
- Unfälle wie Auto-, Ski- oder Fahrradstürze
- Mikrotraumata durch wiederholte kleinere Stöße oder Schläge (beispielsweise bei Kontaktsportarten)
- Reitunfälle
- Bindegewebsschwächen
- Wiederholte extreme Bewegungen (Hypermobilität)
Manchmal lässt sich auch kein konkreter Auslöser finden.
Diagnostische Hinweise
Die Diagnose ist oft schwierig, da viele Symptome unspezifisch sind.
Hinweise können sich ergeben durch:
- Funktionsröntgen mit offenem Mund (Sandberg-Aufnahme)
- Upright-MRT (zeigt die Situation im Stehen oder Sitzen)
- Osteopathische und physiotherapeutische Stabilitätstests
- Neuropsychologische Untersuchungen
- Laboranalysen wie intrazelluläres ATP oder Nitrotyrosin (Hinweis auf mitochondriale Dysfunktion)
- Augen- und Gleichgewichtstests
Buchhinweis: Instabile Kopfgelenke – Ratgeber von Simone Eirich
Das Buch von Simone Eirich („Instabile Kopfgelenke – Ein Ratgeber von einer Betroffenen für Betroffene“) fasst die Erfahrungen vieler Betroffener zusammen:
Symptome, Diagnostikwege und Behandlungsansätze – aus Patientensicht verständlich beschrieben.
Zum Buch
Selbsthilfe und Übungen
Im Video werden mehrere Eigenübungen vorgestellt, die zur Entlastung, Wahrnehmung und Stabilisierung beitragen können.
Hier findest du die genauen Beschreibungen, um sie sicher nachzumachen.
1. Mobilisation der oberen Kopfgelenke
Diese Übung stammt aus einem anderen Video auf meiner Homepage:
Video: Mobilisation der oberen Kopfgelenke
2. CMD-Kiefermobilisation (Selbsttraktion)
Ziel: Entlastung des Kiefergelenks und Förderung des Gleitvorgangs des Diskus.
Zum Video: Kiefertraktion
Zum Video: Kieferbehandlung
3. Blickstabilisation und Augenkoordination
Ziel: Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Augen, Gleichgewicht und Nackenrezeptoren.
Hilfsmittel: Stab mit Buchstaben, zusammengerollte Zeitung oder einfach der eigene Daumen.
Ausführung:
- Blickfolge: Das Objekt langsam führen und mit den Augen nachverfolgen.
- Sakkaden: Zwei Punkte wählen und den Blick schnell hin- und herspringen lassen.
- Variation: Kopf ruhig halten, aber die Blickrichtung gezielt wechseln.
- Ein bis zwei Minuten täglich üben.
Video: Halsgesundheit
Video: Nackengesundheit
Video: Augentraining
4. Atemübung zur vegetativen Regulation
Ziel: Entspannung des vegetativen Nervensystems und Förderung der Zwerchfellbeweglichkeit.
Ausführung:
- Eine Hand auf den Brustkorb, eine auf den Bauch legen.
- Durch die Nase einatmen, der Brustkorb hebt sich leicht.
- Durch die Lippenbremse („ffff“ oder „pfff“) langsam ausatmen, der Bauch senkt sich.
- Die Ausatmung bewusst verlängern.
- Optional: Mit den Fingern sanft auf den Rippenbogen drücken, um das Gewebe zu „wegatmen“ und den epigastrischen Winkel zu erweitern.
- Fünf bis zehn Atemzüge in Ruhe, ideal als Abschluss der Übungen.
Weitere Inhalte auf meiner Seite
Fazit
Instabile Kopfgelenke können eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, die häufig nicht als zusammenhängend erkannt werden.
Mit sanften Eigenübungen, bewusster Wahrnehmung und osteopathischer/ physiotherapeutischer Begleitung lässt sich jedoch viel erreichen.
Der wichtigste Grundsatz lautet: langsam beginnen, achtsam üben und dem Nervensystem Zeit geben, sich neu zu orientieren.






